# Stuhl-Calprotectin-Test: Ein Paradigmenwechsel im Management von Magen-Darm-Erkrankungen

**Ein nicht-invasiver Biomarker, der die Diagnose und Überwachung von IBD revolutioniert**

In den letzten Jahren hat sich fäkales Calprotectin (FC) als wichtiger Biomarker in der Gastroenterologie etabliert und die Diagnose und Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) grundlegend verändert. Während die Medizin zunehmend nicht-invasive Diagnoseverfahren einsetzt, zeichnet sich der FC-Test durch seinen klinischen Nutzen aus, der durch eine wachsende Zahl von Studien und die formale Anerkennung in klinischen Leitlinien untermauert wird.

## Die klinische Bedeutung von Calprotectin

Calprotectin ist ein Kalzium-bindendes Protein, das vorwiegend von aktivierten Neutrophilen in der Darmschleimhaut während einer Entzündung freigesetzt wird. Bei Entzündungen wird Calprotectin mit dem Stuhl ausgeschieden und stellt somit einen messbaren und stabilen Indikator für Darmentzündungen dar. Seine nicht-invasive Natur, kombiniert mit analytischer Stabilität und Eignung für wiederholte Messungen, macht es zu einem unverzichtbaren Instrument in der modernen klinischen Praxis.

## Unterscheidung zwischen IBD und Reizdarmsyndrom: Eine wichtige klinische Anwendung

Eine der größten klinischen Herausforderungen in der Gastroenterologie besteht darin, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) – zu denen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören – vom Reizdarmsyndrom (RDS) abzugrenzen. Beide Erkrankungen weisen überlappende gastrointestinale Symptome auf, jedoch geht CED mit einer organischen Schleimhautentzündung einher, die eine immunsuppressive Therapie erfordert und mit Komplikationsrisiken verbunden ist. RDS hingegen ist eine funktionelle Störung ohne identifizierbare organische Ursache.

Die Bestimmung von fäkalem Calprotectin hat sich in der Differenzialdiagnose als äußerst wertvoll erwiesen. Der Biomarker weist bei einem Grenzwert von 50 μg/g eine Sensitivität von 95 % und eine Spezifität von 91 % auf, wenn es um die Unterscheidung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und gesunden Kontrollpersonen geht. Diese diagnostische Aussagekraft ermöglicht es Ärzten, Patienten effektiv zu triagieren und diejenigen zu identifizieren, die eine endoskopische Untersuchung benötigen, während gleichzeitig unnötige invasive Eingriffe bei Patienten mit funktionellen Störungen vermieden werden. Die klinischen Leitlinien des American College of Gastroenterology aus dem Jahr 2025 empfehlen einen praktischen Grenzwert für fäkales Calprotectin von >50–100 mg/g zur Unterscheidung zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Erkrankungen.

## Beurteilung der Krankheitsaktivität und Steuerung der Behandlung

Über die Diagnostik hinaus hat sich die Bestimmung des fäkalen Calprotectins (FC) als äußerst nützlich für die Überwachung der Krankheitsaktivität und die Beurteilung des Therapieerfolgs erwiesen. Untersuchungen der Mayo Clinic belegten eine hohe, statistisch signifikante Korrelation zwischen FC-Werten und endoskopischen Subscores bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Dies deutet darauf hin, dass FC als zuverlässiger und hochsensitiver Marker für endoskopische Entzündungen dienen kann. Insbesondere konnte ein FC-Grenzwert von 60 µg/g effektiv zwischen endoskopischer Remission und aktiver Erkrankung unterscheiden, während höhere Schwellenwerte eine stärkere Entzündung vorhersagten.

Diese Erkenntnisse haben weitreichende Konsequenzen für die klinische Praxis. Die Möglichkeit, die Krankheitsaktivität durch eine einfache Stuhluntersuchung anstelle wiederholter Endoskopien zu überwachen, bietet Ärzten ein praktisches und kostengünstiges Instrument zur Anpassung der Therapie.

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Veröffentlichungsdatum: 30. August 2026